Xin: Die Kriegerin

Der erste Film, den ich euch in der Themenwoche rund um chinesische Filme und Serien, die man in Amazon Prime enthalten sind, ist „Xin: Die Kriegerin“. Der Film war … nicht ganz das, was ich erwartet hatte. 😅

Xin Die Kriegerin Umgebung 3Die Ninja Xin hört mit an, wie sich drei Männer über eine Schatzkarte unterhalten, die sich im Palast des Kaisers befinden soll. Sie macht sich deren Plan zunutze und lädt zudem noch Großmeister Chang Gong dazu ein, sich in der Nacht, in der der Raub erfolgen soll, mit ihr zu treffen. Xin stiehlt die Karte, wird jedoch von den drei Männern überrascht und alles endet im Chaos.

Meine Bewertung: Sterne-3b

Was sich auf den ersten Blick nach einem nicht unbedingt einfallsreichen Actionfilm anhört, von Amazon unter „Action & Abenteuer“ eingeordnet wird und dank des dunkel gestalteten Covers irgendwie auch nach genau so etwas aussieht, entpuppt sich schon nach der Einleitung als Komödie mit Action-Elementen. Die Erwartungshaltung hier einen düsteren Martial Arts-Streifen mit spannendem Plot vor sich zu haben sollte man entsprechend ganz schnell ablegen, wenn man diesen Film irgendwie genießen möchte.
Ein kurzer Blick auf die Speisekarte des Restaurants und den „Stein, der wie ein Pfirsich aussieht“, um euch ein Gefühl dafür zu geben, was euch in diesem Film erwarten wird:

 

Figuren & Besetzung

  • Xin: Pace Wu
  • Chang Gong: Francis Chun-Yu Ng
  • Herr Xu: Jaycee Chan
  • Wei: Xie Na
  • Herr Gu: Dang Haohan

Mal davon abgesehen, dass alles an diesem Film – außer dem Inhalt – „Actionfilm!“ schreit und er trotzdem eher eine Komödie ist, stören mich vor allem die Figuren. Und auch das ist wieder einmal der Tatsache geschuldet, dass der Film völlig andere Erwartungshaltungen weckt, als er nachher erfüllt.

Xin Die Kriegerin: XinVielleicht denke ich zu simpel, aber ich hätte ehrlich gedacht, dass ein Film, der sich in der deutschen Fassung „Xin“ nennt, auch von eben dieser Figur handeln würde. Xins Rolle wird aber nach der Einleitung stark vernachlässigt. Vielleicht war das aber auch besser so, denn das, was sie von sich gezeigt hat, konnte mich nicht wirklich vom Hocker hauen.
Anfangs zieht Xin Chang Gong gekonnt in die Sache um die Schatzkarte hinein und schafft es den Männern zuvor zu kommen. Ich hatte das Gefühl, hier eine starke weibliche Protagonistin vor mir zu haben, die für einen spannenden Film sorgen würde. So stark wie sie am Anfang auftrat, so gründlich hat sie diesen Eindruck aber wieder zerschmettert, als sie keine fünf Minuten später Chang Gong um Hilfe anbetteln musste, weil sie allein scheinbar nicht kämpfen kann. 🙈

Xin Die Kriegerin: Xin und Herr Gu

Xin bei einem tatsächlich perfiden Plan: Sie benutzt Herrn Gu, um an Informationen zu kommen.

Für eine Weile habe ich mich der Vorstellung hingegeben, dass all das vielleicht zu ihrem perfiden Plan gehören könnte. Selbst am Ende des Films würde ich sagen, dass die Möglichkeit durchaus besteht. Keine Ahnung. Denn leider werden zig Fragen rund um Xin aufgeworfen, nur um nie wieder angesprochen zu werden: Weshalb hat sie Chang Gong am Anfang des Films eingeladen? Ist es wirklich, weil sie nicht kämpfen kann? Warum will Xin den Schatz unbedingt finden? Hat sie vielleicht einen geheimen Auftrag? Wird sie deshalb von mysteriösen Männern angegriffen?
Die Antworten auf all diese Fragen werde ich mir wohl selbst zusammenreimen müssen.

Mit den anderen Figuren sieht es beinahe noch schlimmer aus, nur dass – von Chang Gong einmal abgesehen – keine davon wirklich interessant für mich war. Hier habe ich mir nicht einmal mehr Fragen gestellt.

Nachdem der Film fünf Jahre überspringt, tauchen neben Xin, Chang Gong und den unglücklichen drei Abenteurern, denen Xin die Tour vermasselt hat, ein Herr Gu, ein Herr Xu und eine Adoptivtochter von Xin und Chang Gong namens Wei auf.
Xin Die Kriegerin: Wei und Herr XuJa, richtig gelesen, Xin und Chang Gong haben eine Tochter adoptiert. Die drei führen gemeinsam ein Restaurant, das nichts abwirft, Xin aber irgendwie erlaubt, mit Pelz über den Schultern herumzurennen, während ihre Tochter Wei und Chang Gong aussehen, als hätten sie sich einen Flickenteppich umgelegt. Hm. Weiterhin Teil von Xins perfidem Plan? Wei jedenfalls führt den Handlungsstrang rund um „Herrn Xu, der sich in die Adoptivtochter von Xin und Chang Gong verliebt hat und deshalb bei der Suche nach dem Schatz helfen wird, weil Xin nicht nur nicht kämpfen kann, sondern innerhalb von fünf Jahren auch noch ihre Intelligenz verloren hat“ ein. An dieser Stelle des Films hat Xin irgendwie ihre Daseinsberechtigung verloren.
Leider konnten weder Wei noch Herr Xu mich für sich begeistern, weil abgesehen von einem Satz zu ihrer Hintergrundgeschichte à la „Ich bin eine Waise!“, „So ein Zufall, ich auch!“ nichts über sie gesagt wird. Herr Xu versucht seit beinahe zwei Jahren die Steuern der Stadtbewohner einzutreiben, hat aber keine Durchsetzungskraft, während Wei ihre Zeit damit verbringt, so ziemlich alles und jeden anzuschreien. Nein, ich kann nicht sagen, dass die beiden Figuren viel für mich hergegeben hätten.

Herr Gu, von dem Xin Informationen herauszufinden versucht, scheint nicht der Hellste zu sein und hat ein Faible für schöne Frauen. Das ist das einzige, was ich im Film von ihm mitbekommen habe, und er scheint irgendwie nur dazu da zu sein, das Chaos noch etwas größer zu machen.

Xin Die Kriegerin_Chang Gong

Chang Gong vor seiner Zeit im Flickenteppich

Chang Gong gibt von seinem Charakter noch weniger preis: Er kann kämpfen, ist aus irgendeinem mir unerfindlichen Grund mit Xin zusammen, die ihn von Anfang an nur benutzt zu haben scheint, und … Ja, das war es eigentlich schon, was ich von ihm weiß.
Eigentlich schade, er wirkte zumindest, als gäbe es eine interessante Geschichte über ihn zu erzählen …

Die drei Abenteurer, durch die Xin von der Schatzkarte erfahren (?) hat, machen während des Films eine ebenso erstaunliche Wandlung durch wie Xin selbst. Tragen zu einer spannenden Handlung aber auch nicht so wirklich zu. Wenn überhaupt, dann sind sie wohl eher Hauptträger der komischen Elemente … Denn leider werden aus den drei dunkel gekleideten Herren (links), die sich die Karte unter den Nagel reißen wollen, nach der Einladung die drei erfolglosen Ladenbesitzer (rechts), die sich scheinbar einmal im Monat gegenseitig Fallen stellen und so auch nach fünf Jahren noch nichts weiter erreicht haben.

Insgesamt sind die Figuren enttäuschend, wenn man einen spannenden Actionfilm mit gewiefter Handlung erwartet. Für eine – Wie formuliere ich es nett? – eher hirnlose Komödie mag es aber gehen. Bei mir haben viele Entwicklungen aber eher Stirnrunzeln hervorgerufen.

 

Kostüme, Kulisse & Soundtrack

Man hat es auf den Bildern zu den Figuren vermutlich schon gesehen: Die Kostüme sind das, was man aus einem historischen Film erwarten würde. Manchmal – wie bei dem starken gegensatz zwischen Xin, Chang Gong und Wei – hatte ich das Gefühl, dass sie nicht so ganz passen. Insgesamt waren die Kostüme aber eins der Dinge, die ich im Film tatsächlich gut fand.

Ähnlich verhält es sich mit der Kulisse: Schöne Landschaftsbilder, ein bisschen Kaiserpalast, eine antike Stadt und noch etwas Natur. Hier gab es nichts (vom Stein, der wie ein Pfirsich aussieht vielleicht mal abgesehen), was mich gestört hätte.

Was ich an dieser Stelle noch hervorheben möchte, sind die in meinen Augen wirklich schönen Aufnahmen, die mit Licht und Schatten spielen und nicht unbedingt typisch sind. Hier gab es mal etwas für mich Neues zu sehen, das ich interessant fand. Wäre „Xin: Die Kriegerin“ wirklich ein Actionfilm mit tiefsinniger Handlung, hätte ich mich gefreut, noch mehr davon zu sehen. 😀

Xin Die Kriegerin: Licht und Schatten

Ebenfalls gut gefallen hat mir der Soundtrack. Entsprechend der historischen Kulisse und Kostüme könnte man vermutlich auch traditionellere Musik erwarten. Das ist unter einem gewissen Gesichtspunkt auch richtig. 😀 Es gibt tatsächlich traditionelle Musik, allerdings wurde diese etwas … moderner gestaltet. Gerade weil der Film nicht wirklich historisch ist, empfand ich das als recht passend. Außerdem fand ich das Resultat aus dieser Verbindung auch gut zu hören. 😉

 

Mein Fazit

„Xin: Die Kriegerin“ ist ein Film, der völlig falsche Vorstellungen weckt und sich dadurch vermutlich selbst ein Bein stellt.
Ich bin mit der Einstellung an diesen Film gegangen, einen spannenden Film mit Tiefgang zu bekommen, habe stattdessen aber eine Komödie mit Actionszenen, einem nicht wirklich interessanten Plot und sehr schwach charakterisierten Charakteren ansehen müssen. Die wenigen spannenden Fragen, die der Film zwischendurch aufwirft, werden fallengelassen und abgesehen davon, dass der Film optisch nett anzuschauen ist, weiß ich nicht wirklich, warum ich ihn mir eigentlich angesehen habe.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Film nur auf Deutsch verfügbar ist. Als jemand, der die Filme gern im Originalton mit Untertiteln schaut, war ich davon natürlich weniger begeistert. Bei einem besseren Film hätte ich darüber aber sicher leichter hinwegsehen können.

Mein erster chinesischer Film auf Amazon Prime hat mich nicht so recht überzeugen können. Ich bin gespannt, ob es mir mit den nächsten besser ergehen wird.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s