Enchantress Amongst Alchemists

Bevor es in der Musikwoche heute Abend mit Sa Ding Dings zweitem Album weitergeht, möchte ich euch jetzt erstmal ein weiteres meiner Highlights vorstellen: den Webroman „Enchantress Amongst Alchemists: Ghost King’s Wife“ von Xiao Qi Ye.

Tatsächlich habe ich den Roman gerade erst gestern entdeckt oder besser gesagt angefangen. 😀 Er hat mich aber gleich so gefesselt, dass ich mittlerweile schon mehr als die ersten hundert Kapitel gelesen habe und es mir noch immer nicht langweilig wird. Deshalb finde ich, dass sich der Roman seinen Platz in der Highlight-Rubrik redlich verdient hat. 😉

Ein Grund, aus dem ich Webromane und Online-Übersetzungen mittlerweile sehr gern mag (ursprünglich war ich eher eine Print-Leserin), ist, dass nicht nur die Werke selbst Spaß machen, sondern auch die Interaktion in der Leser-Community. Selbst kommentiere ich zwar selten, ich lese aber immer gern, was andere zu den Kapiteln denken, wie ihnen die Figuren oder die Idee eines Romans gefallen und was sie an Vorhersagen zu den weiteren Entwicklungen denken. Ab und an ist bei diesen Kommentaren auch mal so etwas wie eine Empfehlung zu ähnlichen Werken dabei oder jemand erzählt einfach davon, was er noch so liest. In vielen Fällen merke ich sofort: Ja, das wäre auch etwas für mich!

So ähnlich war es auch mit „Enchantress Amongst Alchemist“, aber immer der Reihe nach:

 

Zum Inhalt

Mu Ru Yue wird als älteste Tochter der Fammilie Mu wiedergeboren, muss aber sofort feststellen, dass sie dort wenig willkommen ist. Der Grund: In ihrem Königreich gilt das Gesetz des Stärkeren, doch Mu Ru Yue hat kein Talent für Martial Arts.
Wie in den meisten Romanen dieser Art, stellt sich schnell heraus, dass dem nicht so ist: Sie wurde lediglich vergiftet und hat stattdessen ein außergewöhnliches Talent. Mu Ru Yue löst ihr Problem und beginnt ihren Weg zur Spitze der Gesellschaft. Dabei bleiben ein bisschen Romantik, Eifersucht (auf die Romantik und ihr neuentdecktes Talent) sowie Familiendramen und Intrigen natürlich nicht aus.

Als ich die Zusammenfassung für den Roman gelesen habe, war ich zuerst nicht sicher, ob ich ihn überhaupt anfangen soll. Noch eine Wiedergeburt? Schon wieder eine Frau, die jemanden ersetzt, der nichts kann, und dann aufgrund der Erfahrungen ihres früheren Lebens alle Erwartungen auf den Kopf stellt?
Ich lese zwar noch nicht so lange Übersetzungen aus dem Chinesischen, aber selbst mir ist nichts davon neu. Wäre dieser Roman nicht in den Kommentaren eines anderen Werks erwähnt worden, das mir wirklich gut gefallen hat, und das zusammen mit anderen Romanen, die ich ebenfalls gelesen hätte, ich hätte „Enchantress Amongst Alchemists“ wohl verpasst. Ah, danke an die Leser, die immer fleißig einwerfen, was sie sonst noch lesen. Ich bereue es wirklich nicht.

Was ist es, das diesen Roman trotz der wirklich generischen Idee so interessant für mich macht? Ich glaube, die Antwort liegt in den Figuren.

 

Die Figuren

In den ersten 100+ Kapiteln, die ich bisher gelesen habe, liegt der Fokus ganz klar auf Mu Ru Yue. Sie ist es, der man als Leser die meiste Zeit folgt. Was mir an ihr gefallen hat, war ihre recht … normale Art. Viele der Protagonisten dieser Weltenwechsel-Romane nehmen sich vor, Rache für den Vorbesitzer ihres Körpers zu nehmen. Es folgen eigene Intrigen, eine Zuspitzung der Konflikte und jede Menge Drama, die sich die Protagonisten meines Erachtens selbst aufladen. (Oft auch die Stellen, an denen ich Romane abbreche. 😀 )
Mu Ru Yue ist anders. Sie geht den Konflikten erst einmal aus dem Weg, sammelt ihre Kräfte und beginnt sich ein neues Leben aufzubauen. Ja, auch in diesem Roman kommen ihr natürlich die Erfahrungen ihres früheren Lebens zugute. Ehrlich gesagt wäre ich auch etwas enttäuscht, wäre das nicht der Fall gewesen. 😀 Mu Ru Yue begibt sich aber im Gegensatz zu anderen Protagonistinnen nie auf die Ebene ihrer Kontrahentinnen herab. Intrigen? Hat sie nicht nötig. Und das finde ich wirklich erfrischend.
Statt an das Leben des Vorbesitzers ihres neuen Körpers zu klammern, schafft sie sich ihr eigenes. Natürlich lassen die früheren Bekanntschaften sie nicht einfach ziehen, wodurch trotzdem jede Menge Spannung aufkommt. Mu Ru Yue ist aber in meinen Augen wesentlich rationaler als viele andere Protagonistinnen, die ich bisher so gesehen habe (Ausnahmen gibt es und die werden noch oft genug in den Highlights landen 😀 ). Ihr auf ihrer Reise zu folgen, hat mir deshalb auch Spaß gemacht und wird es wohl auch weiterhin.

Neben Mu Ru Yue gibt es außerdem noch eine Menge anderer interessanter Figuren:

  • Yan Jin, den Mu Ru Yue schon fast zu Beginn als Helfer … ‚gewinnt‘ 😀 … und der leider in den ersten 100 Kapiteln wenig Präsenz zeigen darf 😦 Trotzdem ist Yan Jin von Beginn an eine meiner Lieblingsfiguren und ich bin gespannt, was er in Zukunft noch zeigen wird. 😉
  • Ghost King Ye Wu Chen, der – wie euch der vollständige Titel vermutlich schon verraten hat 😉 – der männliche Protagonist dieses Webromans und sicher nicht so simpel ist, wie es anfangs scheint
  • Bai Ze, der noch wesentlich mysteriöser ist als Ye Wu Chen und mich wirklich neugeirig darauf macht, wie die Hintergrundgeschichte des Romans sich noch entwickelt, die alles andere als das Klischee zu sein scheint, das der Beschreibungstext des Romans vermuten lässt.

Mir würden spontan noch jede Menge anderer Figuren einfallen, die alle auf ihre Art besonders sind, aber wenn ich noch mehr schreibe, fange ich vermutlich an zu spoilern. 😀 Nur eine Bemerkung sei mir noch erlaubt: Selbst Mu Ru Yues Widersacher sind nicht völlig eindimensional und dass man ab und an auch in ihre Perspektive schlüpft, verleiht der Geschichte noch etwas mehr Tiefe.

 

Fazit

Ich glaube, es ist ziemlich offensichtlich: „Enchantress Amongst Alchemists“ konnte mich zwar mit dem Beschreibungstext nicht angeln, hat mich aber von der ersten Seite an gefesselt. Der zugegebenermaßen recht generische Plot wird durch die einzigartigen Figuren und Hinweise auf eine Hintergrundgeschichte, die nicht ganz so einfach ist, aufgewertet.

Die Kapitel des Romans sind recht kurz, weshalb er sich gefühlt schnell lesen lässt. Aber auch inhaltlich wird es nicht langweilig, weil der Webroman im Gegensatz zu anderen nicht die Angewohnheit hat, Dinge, die einfach sein könnten, unnötig zu verkomplizieren. Wird etwas angesprochen, passiert es in der Regel auch fast sofort oder wird zumindest immer wieder in Erinnerung gerufen, sodass die wichtigen Dinge immer präsent bleiben.

Wenn es eines gibt, das ich kritisieren müsste, wäre es, dass der Roman zumindest in den ersten 100+ Kapiteln gefühlstechnisch eher neutral bleibt: Weder konnte ich bisher über etwas lachen, noch ging mir irgendetwas so nahe, dass ich das Gefühl hätte, es würde sich lohnen zu weinen. Vielleicht ist es dafür aber – gerade in Anbetracht der kürzeren Kapitel – auch noch etwas zu früh und der Roman überrascht mich mit diesen Aspekten später noch.

Alles in allem ist „Enchantress Amongst Alchemists: Ghost King’s Wife“ ein Roman, der sich zu lesen lohnt.
Wer jetzt Lust bekommen hat, auch einmal reinzuschauen, findet den Webroman auf der Seite von radianttranslations. Aktuell sind bereits über 400 Kapitel übersetzt und die Updates scheinen sehr regelmäßig zu kommen. Man kann also beruhigt damit loslegen, ohne zu lange auf Lesestoff warten zu müssen. 😉

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