The Werefox

Heute möchte ich euch das mit gerade mal knapp einer Seite kürzeste der chinesischen Märchen aus „Angela Carter’s Book of Fairy Tales“ vorstellen: The Werefox.

 

Der Inhalt

Ein buddhistischer Mönch namens Chi Hsüan beobachtet eines Nachts wie ein Fuchs die Gestalt einer schönen Frau annimmt und sich bitterlich weinend an die Straße stellt. Als ein Reiter vorbeikommt und sich die Lebensgeschichte der vermeintlichen Frau anhört, verspricht er, diese mitunehmen.
Der Mönch warnt den Reiter und sorgt dafür, dass sich die Frau in den Fuchs zurückverwandelt und stirbt, woraufhin der Reiter ihm dankbar ist.

 

Meine Meinung

Von den vier chinesischen Märchen aus Angela Carters Sammlung ist „The Werefox“ vermutlich dasjenige, welches mir am wenigsten gefällt. „Mrs Number Three“ ist mit nur etwas mehr als zwei Seiten nicht viel länger, hat mir beim Lesen aber wesentlich mehr gegeben.

Was mir an „The Werefox“ noch am besten gefallen hat, waren die Beschreibungen, die trotz der Kürze eine tolle Atmosphäre geschaffen haben. Inhaltlich bereitet mir das Märchen aber etwas Kopfschmerzen.
Wenn man ein paar chinesische Geschichten kennt, weiß man, dass Fuchsdämonen oder -geister selten gut dargestellt werden, obwohl es mittlerweile auch da schon neuere Ansätze gibt. Ihre Hauptaufgabe scheint darin zu bestehen, durch Zaubereien Menschen zu verwirren und ihnen Schaden zuzufügen. Da der Fuchs in diesem Märchen ebenfalls eine andere Gestalt annimmt und eine offensichtlich falsche Geschichte erzählt, scheint er zu genau dieser Form zu gehören, wenn man auch nicht erfährt, was dem Reiter nun widerfahren wäre, wenn Chi Hsüan ihm nicht geholfen hätte.
Der Mönch ist genau das, was auf der anderen Seite des Märchens steht: Die knappen Beschreibungen machen ihn als einen moralisch aufrechten Menschen aus. Allerdings: wenn mich mein (zugegeben ziemlich oberflächliches) Wissen über den Buddhismus nicht trügt, dann gilt dort der Grundsatz, dass alles Leben gleich viel wert ist. Dazu sollten in diesem Fall dann auch Gestalten wie dieser Fuchs zählen.

Ich möchte damit keineswegs sagen, dass ich das Märchen schlecht finde! Es hat mir schon gut gefallen, wenn auch nicht ganz so gut wie die anderen drei. Es ist wirklich schön geschrieben und offensichtlich kann man in die dahinterliegende Geschichte auch jede Menge hineininterpretieren. Mir hat hier einfach nur das besondere Etwas gefehlt, das ich bei „Mrs Number Three“ in Form der Begegnung von Chao Chi Ho und dem Mönch gefunden habe.

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