Zhu Xian – Roman und Serie im Vergleich

Ich habe euch bereits die Online-Romanreihe „Zhu Xian“ und die darauf aufbauende Serie „Legend of Chusen“ bzw. „Noble Aspirations“ vorgestellt. Heute möchte ich beides miteinander vergleichen.

Ich werde dabei nicht auf individuelle Szenen eingehen, sondern eher die großen Unterschiede zusammenfassen. Trotzdem werde ich in diesem Beitrag ein wenig genauer auf die Inhalte des Romans und der Serie eingehen. Wer also sichergehen möchte, nicht gespoilert zu werden, sollte vielleicht besser erst lesen bzw. die Folgen schauen. 😉

 

Man muss die Grundlagen beherrschen, bevor man ein Meister werden kann

Der erste große Unterschied, den ich zwischen Roman und Serie sehe, betrifft die Entwicklung von Zhang Xiao Fan. In beiden lernt er eine Ausbildungs-Methode von dem buddhistischen Mönch und bekommt den magischen Gegenstand. Das hat natürlich Auswirkungen auf ihn, die sich durch die komplette Reihe ziehen.
Während das im Roman von Beginn an offensichtlich ist, weil eine Schlüsselszene kurz nach seinem Eintritt in die Qingyun-Gilde die Folgen aufzeigt, kam das in der Serie in meinen Augen erst viel später zum Tragen.
In der Serie wirkte Zhang Xiao Fan dadurch anfangs, als würde er sich einfach zu blöd anstellen bzw. als hätte er wirklich keinerlei Talent. Ich hatte einfach das Gefühl, dass er etwas zu abhängig von den Gegenständen war, die ihm beide mehr oder weniger zufielen.
Im Roman hingegen merkt man, dass er eigentlich alles richtig macht, aber gewissermaßen ‚Unglück imm Glück‘ hat: Er bekommt zwar Methode und Gegenstand von dem mönch, das hat aber erstmal einen negativen Einfluss auf ihn, gegen den er ankämpfen muss. Der Plot schien viel mehr durch Zhang Xiao Fans eigene Leistung voranzukommen als nur durch Glück.

In diesem Punkt empfinde ich den Roman deshalb als gelungener. Auch so hatte ich das Gefühl, dass der Beginn des Romans dem der Serie gegenüber auf vieles besser eingeht. Aber natürlich darf man hier auch nicht vergessen, dass eine Romanreihe mit mehreren Bänden natürlich viel mehr Raum für Entwicklungen bietet als eine Serie, die nur zwei Staffeln umfasst.

 

Kleine Änderungen, große Wirkung: Wie aus dem Kerl, der einfach dabei war, plötzlich ein Freund wird

Die nächsten beiden Punkte sind etwas, das sich nicht nur auf einen Teil des Inhalts bezieht, sondern die gesamte Abfolge von Ereignissen betrifft: Wo die Serie nämlich an Zeit sparen muss, ist es natürlich auch notwendig, den Plot anzupassen.
Das bedeutet: Ereignisse müssen zum Teil ausgelassen werden und wenn sie vorhanden sind, müssen sie oft noch mit zusätzlicher Bedeutung angereichert werden, um Defizite an anderen Stellen auszugleichen. In wenigen Fällen kommen auch mal Szenen dazu, wenn dadurch Entwicklungen deutlicher werden.

Die meisten Änderungen des Inhalts wirken sich dabei ganz Besonders auf das aus, was ich dem Roman angekreidet habe: Die Figurenkonstellation.
Im Roman kamen die romantischen Beziehungen absolut nicht bei mir an, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Zhang Xiao Fan und den Nebenfiguren zeigten sich um einiges besser, besaßen allerdings nicht so viel Raum, dass ich sagen könnte, ich hätte viele der Figuren ins Herz geschlossen.
Hier macht die Serie in meinen Augen den besseren Job: Nebenfiguren und natürlich auch die beiden potentiellen Partnerinnen 😉 werden häufiger in Szenen integriert. Bi Yao bekommt sogar extra Szenen mit Zhang Xiao Fan, die es im Roman nicht gab. Dafür wurden andere zwar wiederum gekürzt, allerdings fand ich die Szenen in der Serie um einiges süßer. ♥ Die besondere Verbindung, die die beiden eigentlich haben sollen, kam einfach viel besser bei mir an.

Legend of Chusen_Lin JingyuAber zurück zu den Nebenfiguren: Zhang Xiao Fans ‚Freund‘ Lin Jinyu aus dem Grastempel Dorf kam mir im Roman nicht wirklich wie sein bester Freund vor. Weder schienen sie vor dem Unglück ein besonders inniges Verhältnis gehabt zu haben, noch wurde das irgendwie später deutlich. Lin Jinyu hatte für mich eher die Rolle, des Kerls, der eben auch noch da war.
In der Serie hatte er eine größere Rolle und meines Erachtens sah man die beiden auch viel öfter zusammen. (Das könnte allerdings auch Einbildung sein, weil es schon eine ganze Weile her ist, dass ich den ersten Band gelesen habe. 😀 ) Auf jeden Fall setzte sich Lin Jinyu mehr für seinen Freund ein, was im Roman nie passiert ist. Hier hat die Serie meines Erachtens einen fantastischen Job dabei geleistet, die Figur so anzupassen, dass sie besser in das kürzere Format passt.

Legend of Chusen_Zeng Shu Shu

Zeng Shu Shu (links vorn), Lu Xue Qi (links hinten) und Zhang Xiao Fan (rechts)

Zeng Shu Shu, der es in der Serie immerhin zu einer meiner absoluten Lielingsfiguren geschafft hat, fand ich übrigens auch imm Roman sehr gut gelungen. Seine Rolle unterscheidet sich gar nicht so stark, obwohl ich auch bei ihm das Gefühl habe, dass er in der Serie häufiger vorkommt als im Roman.
Bei ihm merkt man sowohl in der Serie als auch im Roman das, was ich bei Lin Jinyu im Roman vermisst habe: Die Freundschaft zu Zhang Xiao Fan, die er noch dazu völlig spontan eingeht. Man hat das Gefühl, dass er Zhang Xiao Fan weit mehr vertraut als dessen Jugendfreund  und auch bereit ist, mehr in diese Beziehung zu investieren.
In der Serie hatten er und Lin Jinyu meines Erachtens etwa den gleichen Stellenwert. Aber im Roman hat Zeng Shu Shu eindeutig die Nase vorn! Kein Wunder also, dass ich ihn dort genauso zu meinen Lieblingsfiguren zählen würde. 😉

 

Etwas einmal in neuem Licht zu betrachten, kann zu mehrfachem Erfolg führen

In der Serie wurden aber nicht nur Figuren geändert, um es dem Zuschauer leichter zu ermöglichen, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Manchmal schienen mir die Änderungen auch dem geschuldet zu sein, dass man trotz Kürzungen an anderer Stelle die Verständlichkeit gewährleisten wollte. Das ist mir an einer Stelle ganz besonders aufgefallen:

Legend of Chusen_FuchsdämonenIm Roman erfährt Zhang Xiao Fan auf seiner Reise, als er von den anderen getrennt wird, von einem Fuchsdämon, der sein Unwesen treibt. Um den Bewohnern der Stadt zu helfen, macht er sich auf den Weg, um diesem den Garaus zu machen. Letztlich mischen sich andere Leute ein, alles geht irgendwie schief, aber er bekommt glücklicherweise noch ein ein weiteres magisches Artefakt.
Die Szenen fand ich tatsächlich auch im Roman sehr emotional, gerade Geschichten von tragischen Liebespaaren gehen mir ja sehr nahe (wir hatten in Wahrheit nämlich nicht nur einen, sondern gleich zwei Fuchsdämonen). Trotzdem flog Zhang Xiao Fan in diesem Fall irgendwie alles zu. Er hat im Grunde nichts wirklich gemacht und wurde dafür belohnt.
Hier geht die Serie anders heran: Zhang Xiao Fan geht einer ganz anderen Sache nach, landet dabei in einem Dorf, das ihn nach und nach auf die Spur der Fuchsdämonen führt und muss tatsächlich arbeiten, um sie auch wirklich zu finden. Noch besser sogar: Er stellt fest, dass er einen der beiden sogar schon von einer früheren Episode her kennt!
Hier schafft es die Serie nicht nur, mehrere Handlungsstränge (die ursprünglich nichts miteinander zu tun hatten) geschickt zu verbinden, sondern ihr gelingt es auch, die Nebenfiguren dem Zuschauer näher zu bringen, ihre Geschichte noch emotionaler zu gestalten und gleichzeitig Zhang Xiao Fan sich seine Belohnung verdienen zu lassen.

 

Mein Fazit

An manchen Stellen gefällt mir die Serie besser, während ich an anderen den Roman bevorzuge. Insgesamt sind aber beide großartig. Ich hatte viel Spaß beim Lesen und mindestens genauso viel Spaß beim Anschauen. Noch dazu haben sich beide Formen der Geschichte in meinen Augen wunderbar ergänzt, sodass für mich ein großes und vor allem beeindruckendes Ganzes entstand.

Während die Romanereihe meist mehr in die Tiefe gehen kann und Platz für viele weitere Abenteuer hat, die in der Adaption leider keinen Platz finden konnten, versteht es die Serie, die Elemente der Handlung durch eine neue Anordnung und leichte Anpassungen neu in Beziehung zu setzen und so eine alternative, aber völlig logische und spannende Geschichte zu erzählen.

Gerade wer viel wert auf die Figuren und ihre Beziehungen zueinander setzt, ist meines Erachtens vielleicht besser mit der Serie bedient. Wer hingegen mehr von Zhang Xiao Fans Welt erleben und ihn öfter auch mal allein erleben und daran wachsen sehen will, der greift vielleicht besser zum Roman.
Ich persönlich empfehle euch allerdings, beidem eine Chance zu geben, wobei ich zuerst die Serie schauen würde. So kann man sich schon einmal mit den Figuren vertraut machen und ist von der abweichenden Handlung nicht enttäuscht.

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